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Der flache Landschaftsmarathon mit dem kleinen Plus an Berg

Run to the hills - run for your lives
Meine Esslinger Musiknacht endet passend zum Tag mit dem Refrain des legendären Iron-Maidon-Songs. Ein paar Stunden lang habe ich  gerockt, gegröllt und versucht, mir die harten Muskeln weich zu tanzen. Hart war er, der Albmarathon in diesem Jahr, wie wohl in jedem Jahr. Dabei waren die Rahmenbedingungen wieder mal perfekt. Der "Swabian summer" mit leuchtendem Herbstlaub um Stuifen, Rechberg und Hohenstaufen bescherte der Jubiläumsveranstaltung ein Feld mit alleine 442 Finishern über die lange Distanz.

Eigentlich ist er ja ziemlich flach, der Albmarathon, mit ziemlich gemäßigter Steigung zu Beginn und entsprechendem Gefälle gegen Ende, also ließen sich die 42 km gemütlich abspulen, wenn da nicht die drei Zeugenberge im Weg stehen würden*. Zeugenberge heißen sie deshalb, weil sie ziemlich einsam aus der sonst eher flachen Natur ragen. 684 Meter streckt sich der Hohenstaufen als Kleinster der Drei in den Himmel, gefolgt vom Rechberg, der sich 707 Meter emporschwingt und dem noch nie bebauten Stuifen, der noch einmal einen Ausschlag von 757 Meter ins Höhenprofil brennt. Von Kaiserbergen spricht man deshalb, weil der Hohenstaufen früher einmal die Stammburg des Kaisergeschlechts der Staufener trug. Egal ob Kaiser- oder Zeugenberge, anspruchsvoll wird der Marathon durch sie, schwer zu dosieren vom Tempo her. Wieviele Körner darf ich ins Tempo im Flachen investieren, ohne in den Steigungen übermäßig Tribut zollen zu müssen?

Ich bin gewarnt, schließlich auch nicht zum ersten Mal hier. Und meine Form lässt zu wünschen übrig. Nur wenige Trainingskilometer in den letzten beiden Monaten, dafür viele Dienstreisen und noch mehr schlechtes Essen. Eine Messung der Körperzusammensetzung in der vergangenen Woche hat mich alarmiert: Mehr Gewicht, noch mehr Fettanteil und dafür weniger Muskelmasse. Die Voraussetzungen sind also nahezu ideal, um heute ein Fiasko zu erleben.

Doch der Albmarathon soll für mich quasi den Auftakt für die neue Saison bilden. Drei Monate intensives Training bis zum Urlaub sind geplant, nach der Regeneration dort dann der Wiedereinstieg vielleicht schon mit dem "Ballon". Und dafür ist der heutige Tag wie geschaffen. Das Wiedersehen mit vielen lieb gewonnenen Lauffreunden steigert die Lust am Tun immens. Als erstes läuft mir der "Ultra-burna" über den Weg. Gerhard ist ein Trail-Urgestein, ihm ist kein Weg zu steil oder zu weit. Danach treffe ich den doppelten Erwin, den "Lionheart" nämlich und die "Ultra-Dohle", beide Garanten für das Mehr an Spaß und Lachmuskeltraining. Auch Chris ist hier, quasi mein Nachbar von der anderen Neckarseite, Klaus "Keule" Neumann, gemeinsamer "Held" aus Berliner Zeiten usw. Eigentlich könnte ich den Tag mit Quatschen verbringen, ohne dass mir langweilig wird.
So gehts weiter bis zum Startschuss und darüber hinaus. Uwe lernte ich dieses Jahr am Glockner kennen, Friedrich vor mehr als einem Jahr beim Südtirol Skyrace. Besonders freue ich mich aber, als ich Marion im Pulk der Läufer treffe. Sie habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Sie ist einer Einladung zum gestrigen Symposium gefolgt, berichtet sie mir und wäre wegen Stau zu spät gekommen. Heute nimmt sie eben das Rennen noch mit. Auch Wolfgang wäre mit dabei, wird aber erst morgen in Frankfurt ins Renngeschehen einsteigen, erzählt sie mir.

An den ersten Steigungen verlieren wir uns aus den Augen, ich gebe ein wenig mehr Gas. Die Lust, mich ein wenig auszutesten, ist da. An Burg Wäscherschloss hole ich "Bergdohle" Erwin ein, der mir mittlerweile enteilt war. Pflaster, Rettungsdecke, Trillerpfeiffe, Erwin ist voll ausgestattet unterwegs, ich dafür ein wenig schneller. Ein kurzes Scherzen miteinander und vorbei bin ich. Die Temperaturen sind mittlerweile recht angenehm, die Sonne scheint ins bunte Laubwerk, so nehme ich die Berge in Angriff. Gesagt... getan... überraschend leichtfüßig komme ich über die drei Kaiserberge, bleibe immer im Laufschritt und mache jedes Mal ein paar Ränge gut. Vor allem die - für mich - neue Streckenführung am Stuifen gefällt mir. Einmal halb außen herum, drüber und auf dem Rückweg noch einmal eine komplette Umrundung. Der Knotenpunkt irritiert zwar, doch die aufmerksamen Streckenposten haben alles im Griff und lenken mich immer in die richtige Richtung. So kann es weiter gehen. Kurz vor dem Rechbergle kommt mir Chris entgegen, er hat rund 8 Minuten Vorsprung, das ist ne starke Leistung von ihm und für mich in Ordnung. Ebenfalls neu, die Brücke über den Laugenbach, ein schöner neuer Abschnitt, ungefähr bei km 40. Es könnte also ein durchweg schönes Erlebnis werden, heute.
Doch zwei Kilometer weiter ist für mich Schluss mit lustig. In Strassdorf merke ich, dass ich das bisherige Tempo nicht mehr halten kann. Für einen Marathon hats offensichtlich gereicht, für mehr jedoch nicht. 3:45 Std. bin ich unterwegs und das "Hämmerchen" schlägt zu. Erfahrung und Durchhaltevermögen bringen mich zwar weiter dem Ziel entgegen, der Spaßfaktor ist allerdings auf "Null" gesunken. Dort, wo bis 1984 das alte "Klepperle" schnaufte, schnaufe nun ich vor mich hin. Zum Glück geht es mir nicht als einzigen so schlecht, andere Läufer sind ähnlich langsam unterwegs, bleiben sogar zeitweise stehen.

"Schwäbisch Gmünd"! Ein altes Bahnschild zeigt mir, dass ich das Ziel vor Augen habe, doch noch lange nicht erreicht. Fast 5 km zieht sich die frühere Bahnlinie an Schwäbsich Gmünd entlang, ehe wir endlich in einer Kehre dem Ziel entgegen laufen dürfen. Doch das ist trotzdem noch endlos lange 2 km entfernt direkt neben dem Prediger, an dem wir vor rund 4 1/2 Stunden auf die Strecke geschickt wurden.
Auch wenn ich in meiner Erwartung erst spät bestätigt wurde, ich lag letztendlich richtig. War es die sich selbst erfüllende Prophezeiung oder doch harte Realität? Ich denke letzteres. Ich habe mich gut gefühlt auf der Strecke, war im Rhythmus und dann hat es nicht mehr gereicht. Ich wollte eine Standortbestimmung, die habe ich erhalten: Sie fiel wie befürchtet und schlimmer als erhofft aus. Die kommenden Monate gibt es also was zu tun: Ich werds angehen!

*p.s.: Ich muss mich revidieren! Selbst wenn man die 3 Kaiserberge umgeht und auch das Rechbergle auslässt, dann kommt man zwar auf 42,2 km statt 50 km, aber flach wird der Albmarathon deshalb auch nicht. Es bleiben wohl trotzdem rund 700 Höhenmeter übrig. Hier gehts zum Beweis:

42 flache Kilometer und 8 bergige? Ich muss mich revidieren! Habe den Albmarathon verkürzt und geschliffen. Das ist dabei herausgekommen!
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