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Harter Mann Extremlauf

Verirrt!

Vom Trail auf die Straße beim Harter Mann Extremlauf
Dieses Jahr steige ich ein wenig später als sonst in die Laufsaison ein. Kleine gesundheitliche Probleme, dazu ein paar Schwierigkeiten, die Motivation zu kanalisieren, sind dafür verantwortlich. Über die Datenbank der DUV suche ich mir einen geeigneten Lauf, nicht übermäßig lang, ein paar Höhenmeter und nicht zu weit weg. Und so fällt meine Wahl auf den "Harte Mann Extremlauf", nicht darauf achtend, dass ich mir einen Landschaftslauf und keinen Trail ausgesucht habe.

Das stelle ich erst wenige Tage vor dem Start fest. Wegen anhaltender Rückenproblemen habe ich mich gar nicht mehr so sehr ums Rennen an sich gekümmert, eher darum, rechtzeitig halbwegs fit zu werden (im Rücken) und zu sein (läuferisch). Beides erweist sich am Abend vor dem Start als nur halbwegs gelungen.

Den Samstag nutze ich dann doch für die unmittelbare Vorbereitung (Anfahrt, Strecke, Ausrüstung)... es soll kalt werden, also wird es nichts mit dem erhofften kurzarmigen Shirt, im Gegenteil. Dann brauche ich Schuhe. Gar nicht so einfach, wenn man keine Straßenlaufschuhe mehr hat; so entscheide ich mich für meinen leichtesten Trailschuh, das muss genügen. Und immerhin scheint es ein paar nicht asphaltierte Abschnitte zu geben, stelle ich beim Streckencheck fest.

Ansonsten fahre ich locker motiviert nach Niederstetten, gespannt bin ich nur, was meine eher schlecht verlaufene Vorbereitung der letzten Monate an Grundlagenausdauer gebracht hat. Die letzten Tests waren zwar nicht schlecht, aber trotzdem bin ich - angesichts ständiger Rückschläge - etwas verunsichert. Auch wenn ich die Strecke also im Griff haben sollte, 55 km bei 1000 hm entsprechen in etwa den Dimensionen des Rösslewegs und den weiß ich mir natürlich schon gut einzuteilen, will ich das Rennen entsprechend defensiv angehen.

Viel Zeit braucht es nicht zur Anmeldung, 50 Teilnehmer für die 1. Austragung des Ultras beim Harte Mann Extremlauf sind gut zu bewältigen. Wenig später bin ich startklar für den um 7:00 Uhr angesetzten Start, stehe unter dem Start-Zielbogen. Der Rennintro dauert ein wenig, noch nie habe ich vor einem Rennen die Nationalhymne gehört, in Niederstetten gehört sie anscheinend seit Jahren zum festen Programm. Einige lächeln, ich finds o.k., gibt Schlimmeres. Doch dann gehts los, der Startschuss fällt!
Das Rennen
Eine knappe Stadionrunde und wir verlassen das Sportgelände, laufen am Parkplatz vorbei durch Niederstetten, das um diese Zeit noch verschlafen wirkt. So ists auch kein Problem, die Hauptstraße zu queren, wenige Meter später verlassen wir den Ort auf einer kleinen Nebenstraße Richtung Norden. Das Tempo ist... naja... moderat ist sicherlich der falsche Ausdruck... nicht so hoch, dass ich nicht mitgehen könnte. So befinde ich mich ab dem ersten Meter praktisch auf Rang 2, direkt hinter Steffen, der es übernommen hat, die Spitze zu bilden. Es dauert nicht lange und wir sprengen eine Lücke zu unseren Verfolgern, Steffen immer voraus, ich - defensiv wie geplant - hinter ihm her.

An den ersten Hügeln habe ich Gelegenheit, meinen Laufpartner ein klein wenig zu testen. Er läuft die Steigungen locker hoch, nicht rasend schnell, wie ich es schon bei Anderen erlebt habe, hinab. Und doch habe ich das Gefühl, dass ich ggf. am Berg ein klein wenig stärker bin als er, denn wenn ich mal die Nase in den Wind stecken darf, dann immer an den Anstiegen.

Wir kommen ins Gespräch, stellen fest, dass wir Beide die Leidenschaft fürs Trailrunning teilen, uns evtl. in diesem Jahr noch beim einen oder anderen Lauf treffen.

Nach 11 km der erste Verpflegungspunkt, ein Schluck Wasser, ein Biss in einen Apfel und weiter gehts. Auch wenn mir der Untergrund jetzt nicht so behagt (ich mag einfach die fluffigen Trails!), die Landschaft hier gefällt mir. Zwischen den kleinen verträumten Ortschaften winden sich die schmalen Straßen entlang den Tälern einer hügeligen Umgebung. Der maximale Höhenunterschied beträgt heute knapp 200 m, es geht einfach oft genug auf und ab, um letztendlich tatsächlich 1000 hm voll zu machen.

Nach einem Drittel der Strecke lasse ich dann Steffen ziehen, schlage mich erst mal in die Büsche. Ich überlasse es dem Schicksal, was sich auf den beiden letzten Dritteln so entwickelt.
Bei km 22 laufe ich wieder am Stadion in Niederstetten ein. Der Rest der Strecke verläuft dann auf der bereits bestehenden Strecke der kürzeren Distanz über 33,3 km. Und ich treffe Steffen, der mich zwar mitnimmt, mir aber auch nicht wirklich Zeit lässt, ein klein wenig Verpflegung zwischen die Zähne zu schieben. Und so erwische ich eine "steinharte" Banane, die ich sofort wieder aus dem Mund nehme. Ich laufe also ohne Verpflegung hinterher, muss erst mal ein wenig Luft holen, habe doch jetzt ziemlich schnell gut 2 Minuten Rückstand aufgeholt.  

Bis zum 3. Verpflegungspunkt ist es nicht allzu weit. Der liegt mitten in der sich nun ständig kreuzenden Strecke. Damit lässt sich mit dem einen Stand der Rest des Rennens versorgen und ich habe die Chance, endlich noch mal ein paar Mitstreiter zu sehen, die sich noch auf einer anderen Schleife befinden.

Ein langgezogener Anstieg nach Krailshausen steht nun an, Steffen wird ein wenig langsamer, ich kann mich ein wenig absetzen, spüre ihn allerdings ständig hinter mir und komme ins Grübeln: Soll ich jetzt durchstarten und richtig Abstand gewinnen? Oder lasse ich gut sein und warte, wie sich die Dinge weiter entwickeln? Ich entscheide mich für Letzteres, immerhin ist gerade mal die Hälfte der Distanz zurückgelegt, zu wenig, um in meiner augenblicklichen Verfassung die Entscheidung herbeizuzwingen.

Und tatsächlich ist Steffen am steilen Anstieg nach der nächsten Versorgung wieder an mir dran, ich mache langsam, will ihn aufschließen lassen, doch er kommt nicht. 100 Höhenmeter später klafft eine ordentliche Lücke zwischen uns Beiden und noch knapp 20 km liegen vor uns. "Also dann!" denke ich mir und starte durch. Ich will die Verpflegung im Tal verlassen haben, ohne dass Steffen Kontakt zu mir bekommt. Also nur ein schneller Schluck und weiter gehts ums Eck und ich bin außer Sicht. Geschafft!

Es geht das Reutal auf einer Seite hinauf, um den Reutalsee herum und auf der anderen Talseite wieder zurück. Hinter mir ist kein Läufer mehr zu sehen, was mich einerseits beruhigt, andererseits aber auch im Ungewissen lässt. Doch als ich Oberstetten zum letzten Mal verlasse, bin ich mir doch ziemlich sicher, dass ich das Ding nach Hause bringe.
Noch 9 km und zwei Steigungen. Den ersten haben wir heute schon einmal zurückgelegt, der zweite folgt dann gut 5 km vor dem Ziel. Harte 100 Höhenmeter noch, ich passiere das 50 km-Schild und schaue das erste Mal heute auf die Uhr. Ziemlich genau 4 Std. bin ich jetzt unterwegs, solch ein Tempo hätte ich mir heute gar nicht zugetraut. Noch eine halbe Stunde und ich bin im Ziel. Das kann ich allerdings jetzt schon sehen, denn der Höhenweg führt quasi am Ziel vorbei zum Ortsende von Niederstetten, um dann durch den Ort zurück ins Ziel. Ich bin für mich allein, kaum jemand nimmt Notiz von mir (das haben Landschaftsläufe so an sich). Letzte Höhenmeter zum Schloss Haltenbergstetten und dann rolle cih hinunter ins Stadion. Eine letzte Runde auf der Tartanbahn und ich darf als 1. Läufer die Zielglocke läuten!

Wenn mir das vorher jemand prophezeit hätte, ich hätte es nicht geglaubt. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich mir eine Zeit von 4 Std. und 31 Minuten über diese Strecke selbst nicht zugetraut hätte. Nicht nach diesen Vorzeichen... Und ich fühle mich noch gar nicht richtig erschöpft, auch wenn es doch ein wenig zwickt, was einfach an den vielen Übungen der letzten Tage gegen die Verhärtungen der Oberschenkel- und Rückenmuskulatur liegt.

Wermutstropfen der guten Zeit... ich darf/muss 4 Std. auf die Siegerehrung warten, was aus organisatorischen Gründen natürlich verständlich ist, für mich als an-/abreisender Läufer natürlich ein wenig nervig. Doch die Siegerehrung gehört zum Rennen eben mit dazu, zumindest das Siegerpodest sollte dann doch gefüllt sein.
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