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S'Äpple
Quasi der "vegane Bruder" vom Rössle!
Die Idee
 
Regen und Temperaturen, die mich mitten im August in lange Laufshirts und zwei Schichten zwingen, das Wetter meint es derzeit nicht unbedingt gut mit uns Läufern. Doch dann sagt das Wetterradar für 2 Tage gutes Wetter vorher, es sollen - vorübergehend leider nur - Temperaturen von mehr als 30 Grad erreicht werden. Und ich habe Zeit, also muss eine ausgedehnte Laufstrecke her. Und ich erinnere mich, vor geraumer Zeit über einen neuen Wanderweg gelesen zu haben:

S'Äpple, ein Kulturwanderweg entlang der Backnanger Bucht, gibt Einblick ins Schwäbische Mostviertel. Der Weg ist rund 84 km lang, bewegt sich auf nicht mehr als 200 Metern Höhenunterschied und ist ein Rundweg durch neun Gemeinden; beste Voraussetzung also, zwischendurch und mitten in der Saison erkundet zu werden.

Schwieriger wird es schon mit dem gps-Track, nur die Gemeinde Allmersbach bietet einen Track zum Download, der aber irgendwie nicht funktioniert und nur in Bruchstücken geladen werden kann. Aber irgendwann habe ich das Ding zusammengebastelt und auf die Laufuhr geladen (hier findet ihr den funktionierenden Download), meiner Tour steht also nichts mehr im Wege... und ich stehe am nächsten Morgen kurz vor 7:00 Uhr in Waldrems... startklar und mit leichtem Gepäck!
Der Weg
Ich habe mich für die Richtung gegen den Uhrzeigersinn entschieden, einen besonderen Grund dafür gab es nicht. Und eigentlich spielt es auch keine große Rolle, wie ich im Laufe der Zeit feststelle. Einzig der Aufstieg zum Schloss Ebersberg führt von Westen aus über unzählige Stufen zum Schloss. Wer also Stufen mag, sollte im Uhrzeigersinn beginnen.

Auf den ersten Kilometern mache ich mich mit der Markierung vertraut. Die suche ich an Pfosten und Bäumen erst einmal vergeblich, bis ich dann doch fündig werde. Eine fünfblättige Blüte in rot ist sowohl auf Bäumen, als auch auf den Straßenecken aufgemalt, ein oder zwei weiße Blätter geben die Richtung vor. Die Systematik verstanden, erspare ich mir für die nächsten Kilometer ein ums andere Mal den Blick aufs Navi, kann mich dafür gut auf die Natur und Landschaft konzentrieren.

Und die macht richtig Laune. Es geht vorbei an zahllosen Obstwiesen, die Bäume hängen voll mit Äpfeln, zwar noch nicht reif und genießbar, doch bereits farbenprächtig und schön anzusehen. Empfohlen wird die Wanderung übrigens für April/Mai zur Apfelblüte oder September/Oktober, wenn das Obst geerntet wird. Der August eignet sich - vor allem, wenn es sehr heiß ist, nur teilweise. Gerade der nordwestliche Abschnitt, wenn es durch die Weinberge um Aspach geht, können sehr heiß und stickig werden, wie ich später noch feststellen werde. Dafür verläuft vor allem der nördlich Abschnitt viel im schattigen Wald, was sich heute als sehr angenehm erweist.

Doch zunächst erfreue ich mich an den vielen liebevoll gestalteten Details links und rechts des Weges, an den roten Rastbänken und -liegen, am Kräutergarten beim Sport- und Erlebnispark Allmersbach und am kleinen Hochbehälter oberhalb der Horbatswiesen, der - 1927 erbaut - in diesem Jahr renoviert und zum Aussichtsturm umfunktioniert wurde.
Die Strecke
 
Später verschwindet die Strecke mehr im Wald, die Markierung erweist sich als nicht durchgängig einheitlich und ich habe ein ums andere Mal Probleme, mich zu orientieren. Ohne meinen Track auf der Uhr wäre ich aufgeschmissen. Trotzdem macht der Lauf Spaß. Immer wieder öffnet sich der Blick auf "den Kessel", unerlaubt, wie ich später festellen muss, sehe ich mich auch auf Schloss Ebersberg um; doch das Schloss ist in Privatbesitz, ein Besuch unerwünscht, wie ich beim Verlassen am Tor feststellen muss.

In Oppenweiler tanke ich auf, 30 km habe ich mittlerweile zurückgelegt. Und warm ist es geworden. Allzu viele Gelegenheiten zum Wasser fassen gibt es auf den folgenden Kilometern nicht, da ist es gut, mit vollen Flaschen weiter zu laufen. Wobei es - was ich nicht vergessen möchte, hin und wieder doch den einen oder anderen Brunnen gibt. "Kein Trinkwasser" steht auf allen, ich gehe damit meistens ziemlich entspannt um, vertraue darauf, dass die Quailtät gut ist und bin bisher noch nie enttäuscht worden.

Und in Rietenau gibt es sogar Mineralwasser, s'Äpple führt praktisch daran vorbei. Ob man hier allerdings tatsächlich vor Ort Wasser erstehen kann, habe ich nicht ausprobiert.

Ich gedulde mich bis Kleinaspach, wo ich im Sonnenhof eine kleine Pause einlege; ein Alkoholfreies löscht den Durst, der auf den letzten Kilometern durch die glühend heißen Weinberge deutlich gewachsen ist. Motiviert zum Durchhalten aber hat mich vor Allem die Lust auf ein leckeres Stück Kuchen, das nach dem Bier zusammen mit einem Cappuccino schnell verdrückt ist. Ebenso schnell verlasse ich den Hotelkomplex auch wieder. Verschwitzt und abgekämpft wie ich bin, passe ich nur mittelprächtig ins Ambiente, ernte doch den einen oder anderen Blick in meinem Outfit.
Kannst du keine Blitze werfen, Freund, so laß das Donnern auch!
Steinbruch Aspach! Beeindruckend tief ist das Loch, dass man hier bereits ins Erdreich gesprengt hat. Fast ebenso beeindruckend ist mittlerweile aber auch der Himmel, der sich über mir zusammenbraut. Das Grollen stammt nicht vom Sprengungen im Steinbruch, sondern vielmehr vom heranziehenden Gewitter. Anfangs glaube ich noch, unten durchschlüpfen zu können und ungeschoren davon zu kommen, doch die Tatsachen lehren mich anderes. Mitten im eigentlich schönen Graben des Wüstenbachs schlägt Zeus unerbittlich zu. Ich rette mich ins dichte Laub, als riesige Hagelkörner auf meine Laufbrille knallen. Von hier beobachte ich dann, wie sich mein feiner Trail langsam in einen kleinen Bachlauf verändert. Damit sind meine bisher noch recht neuen Schuhe auch Geschichte... wieder ein Paar standesgemäß eingeweiht.

Zum Glück fühle ich mich hier in der Schlucht sicher vor Blitzeinschlag und zum Glück ist ein Gewitter oft nur vorübergehend. Tropfnass und mit schmatzendem Schuhwerk mache ich mich auf meine letzten Kilometer. Ein Bauer lacht mich aus seinem Trecker herzlich an, ich muss ein schickes Bild abgeben als begossener Pudel. Andere Geschichte, dass er mich von der mit tiefen Pfützen überzogenen Straße in die noch tieferen Pfütze der angrenzenden Wiese zwingt. Aber das ist jetzt auch schon egal.

Ob die kleinen Verlaufer, die nun folgen Ursache der hier recht schlechten Wegmarkierung sind oder meinem angeschlagenen Allgemeinzustand geschuldet, ist herzlich egal. Weh tun sie nun nach mehr als 80 km und 10 Stunden trotzdem. Allerdings ist mittlerweile auch die sonne wieder zwischen den Wolken hervorgekrochen und verwandelt die Auen in eine Saunalandschaft. Doch sie trocknet auch mein Shirt und meine Laufhose, einzig die Schuhe bleiben nass und schmatzen auch weiterhin zwischen Sohle und Einlegesohle.

Ein bisschen froh bin ich dann doch, als ich endlich meinen Ausgangspunkt in Waldrems wieder erreiche. Dem Wetter sei Dank ist es doch ein wenig anstrengender geworden als gedacht. Spaß gemacht haben sie dann trotzdem, die fast elf Stunden, die ich auf den Beinen war.
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