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Wiederholungstäter am Petit Ballon

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Klappe, die Zweite

Wiederholungstäter beim Trail du Petit Ballon
In den letzten Jahren war ich selten bei einer Veranstaltung mehrere Jahre hintereinander am Start. So grenzt es schon fast an ein Wunder, dass ich dieses Jahr wieder in Rouffach bin. Woran liegts? Sicherlich auch daran, dass es im März keine allzu große Auswahl an Ultratrails, noch dazu mit Höhenmetern, gibt. Wer also seine Frühform testen will oder im Jahr noch Größeres vor hat, der trifft sich mit Gleichgesinnten beim Petit Ballon. Die eher sanften Steigungen des Mittelgebirges drängen sich für eine schnellere Auftakteinheit praktisch auf. Und so wird der Mut der Organisatoren belohnt, Mitte/Ende März auch schlechteres Wetter oder gar Schnee auf der Strecke in Kauf zu nehmen. Rund 1000 Finisher danken es. Und damit haben sich die Starterzahlen in den letzten 10 Jahren vervierfacht. Eine knappe handvoll Starter war sogar seit 2004 jedes Jahr am Start, das ist echt mehr als beachtenswert.
Die Dohle und der Habicht
Doch es macht einfach Spaß, die Strecke von Rouffach aus zum Petit Ballon und wieder zurück in Angriff zu nehmen. Die ersten Kilometer, dicht gedrängt - manchmal auch im Läuferstau - durch die noch kahlen Weinberge, die Umgebung im trüben Morgenlicht meist eher pastellig erdfarben wirkend. Dann, wenn sich das Feld sortiert hat, Kilometer für Kilometer über sanfte, meist unschwere Trails. "Flow"-Gefahr besteht, wenn das enge Spalier der Bäume beim Lockeren Lauf links und rechts an mir vorüber zieht. "Erwachen" an den Verpflegungsstellen, die immer unvermittelt auftauchen, den Lauf kurz unterbrechen und dann schnell wieder aus dem Blick und dem Sinn verschwinden.

Ich bin unterwegs mit Erwin. Er bremst mich anfangs angenehm, während ich ihm klar mache, dass er durchaus mehr Gas geben kann und "unterstatement" gar nicht nötig hat. Auf diese Art pendeln wir uns auf ein für uns Beide passendes Tempo ein. Unsere kleine Startgruppe hat sich leider schnell zersprengt, über die Distanz sind die Tempis einfach zu unterschiedlich. Trotzdem treffen wir immer wieder auf Bekannte und Freunde, Langeweile ist also ausgeschlossen. Fast die gesamt Truppe vom Albtrauf-mini im November ist heute hier. Ab Kilometer 20 beginnt dann allerdings der langgezogene Anstieg, der in der Gipfelüberquerung des "Kleinen Belchens" seine Krönung findet. Während ich hier im Laufschritt bleiben will, lässt es Erwin etwas ruhiger angehen. Unsere Wege trennen sich also. Allerdings wird Erwin später gemeinsam mit Steffen zum rasanten Downhill ansetzen, weshalb uns letztendlich im Ziel nur wenige Minuten trennen werden. Während sich der Habicht leichter in die Höhe schwingt, liegen die Stärken der Ultra-Dohle Erwin wohl im Sturzflug.

Vermutlich hat er es leichter als ich. Denn ich muss mich erst mal Läufer für Läufer und Position für Position nach Vorne kämpfen, was auf den schmalen Wegen bergauf nicht unbedingt einfach ist. Immer wieder werde ich gebremst, muss mich in die Reihe eingliedern. Wer beim Petit Ballon ambitioniert läuft, sollte von Anfang an zur Sache gehen, Trödeleien am Start rächen sich. Auf dem Weg zurück nach Rouffach sind die Wege allerdings breit, da kann man sein Tempo ausspielen. Mir ists heute allerdings egal, ich will nur gut und mühelos finishen, es kommt nicht auf Minuten oder Positionen an.  
Schnee und Matsch auf dem Weg zum Gipfel
Der Gipfelanstieg hat es heute in sich. Die warme Sonne lässt zwar die Schneereste schmelzen, weicht aber auch den Boden unangenehm auf. So wird der schmale Aufstieg zum Balanceakt zwischen Schneeresten und Matschstreifen, immer mit heftiger seitlicher Hangneigung. Nur mit Mühe und heftigen Ruderbewegungen kann ich einen Sturz vermeiden, als ich seitlich abrutsche. Glück gehabt, das hätte eine Landung mitten im Matsch gegeben. Für den Rest des Anstiegs weiche ich ab sofort ein paar Mal häufiger ins trockene Grün aus, das ist mir sicherer.

Oben auf dem Gipfel erwartet mich/uns dann allerdings das absolute Gipfelglück. In der Ferne ein Panorama noch winterlich verschneiter Berge, Rainkopf und Hohneck, darüber der blau aufklarende Himmel, in den Tälern Nebel über den noch verschneiten Nordhängen. Pfeif aufs Rennen... ich gönne mir ein paar Minuten, bevor ich mich dann "todesmutig" und gut erholt über den rutschigen Schnee ins Tal stürze. Das macht Laune, auch wenn mich die meisten der Läufer, an denen ich vorbeischieße, wenig später wieder überholen werden. Lange zieht sich das Schneeband dahin, erst kurz vor dem Boenlesgrab enden die Schneefelder. Sogar einige Tourenskifahrer sind heute noch unterwegs, suhen den Weg ins Tal.
Abwärts ins Ziel
Wer Boenlesgrab erreicht hat, hat das Rennen praktisch schon fast geschafft. Breite Fahrwege, immer leicht fallend, führen fast bis ins Ziel. Fast nur, ein paar schmale Singletrails unterbrechen den Downhill auf angenehme Art, sind allerdings nicht ungefährlich. Auch ein paar unbedeutende Anstiege unterbrechen den Rhythmus. Konzentriert muss man bleiben, was wohl nicht jedem gleichermaßen gelingt. Denn ein Trailer überholt mich in schwindelerregender Speed, verschwindet schnell hinter den nächsten Kurve. Wenig später bin ich wieder an ihm dran, er blutet heftig aus dem Mund, war wohl gestürzt und hat sich gerade wieder aufgerappelt. Ich bleibe meinem Tempo treu, pendel mich zwischen entspannten 10 und 12 km/h ein, egal, ob mich jemand von hinten aufrollt oder nicht. Irgendwann blicke ich dann hinunter auf Rouffach, erkenne den markanten Bau der Kirche Mariä Himmelfahrt.
Nur kurz vor dem Ziel gebe ich noch einmal heftig Gas. Ricarda überholt mich, gerade als wir in Rouffach einlaufen. "Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen" rufe ich ihr zu und gebe Gas. Sie hält dagegen. Doch nur kurz dauert unser Intermezzo. Wir lachen und laufen die letzten Meter gemeinsam, ehe ich ihr auf der Zielgeraden den Vortritt lasse. Während sie nämlich das Potest ihrer Altersklasse erklimmt, lande ich nur im anonymen Mittelfeld versteckt. Ein kurzer Sprung über die Zielmatte beendet meinen gelungenen Saisonauftakt. Ich bin zufrieden. Immerhin hatte ich nur 3 kurze Wochen Vorbereitung nach einer längeren Trainingspause und keinen einzigen Lauf über 2 Stunden in den Beinen.
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