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In 180 Tagen um die Welt

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In 180 Tagen um die Welt
Wissenswertes über 40000 Laufkilometer
Ich laufe eigentlich schon mein ganzes Leben lang. In der Schule wählte ich immer die 1000m-Strecke, obwohl die Wettkämpfe meistens am Ende der Bundesjugendspiele in der größten Hitze des Tages stattfanden. Anfang der Neunziger lief ich schon mit Rucksack, darin gut verpackt ziemlich heftige Gewichte; damals bereitete ich mich auf eine fast vierwöchige Trekkingtour durch Spitzbergen vor. Meinen ersten Wettkampf lief ich dann 2001, doch erst 2003 legte ich mir ein Lauftagebuch an, der erste Marathon gab dafür den Ausschlag. Und von da an wurde praktisch jeder gelaufene Meter dokumentiert, wie schnell, wie viele Höhenmeter und mit welchem Schuh.

Wobei mich die Zahlen nicht wirklich interessierten. Erst als ASchu von seiner Runde um den Globus berichtete, wurde ich hellhörig. Ich wollte wissen, wie weit ich denn schon gekommen wäre. Und siehe da, es war gar nicht mehr weit:

Neununddreißigtausend und ein paar zerquetschte Kilometer,

die magischen 40070 km waren also in greifbarer Reichweite. Von da an habe ich die Ziellinie markiert und wusste bald, dass es irgendwann im Juni 2017 so weit sein musste. Also habe ich nach einer passenden Ziellinie gesucht und diese in Grainau bei der Dt. Ultratrail-Meisterschaft auch gefunden. Damit sollte ich 3 Klappen auf einmal schlagen:

  1. Erdumrundung vollendet
  2. Dt. Meisterschaft gelaufen
  3. Zugspitz-Trail absolviert (den ich eigentlich nie laufen wollte)


ZUT gefinished - 40090 km absolviert
Meilensteine
Was waren meine Meilensteine auf der Runde?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Herausragend ist für mich vor allem, dass ich sie geschafft habe. Ich war in der Zwischenzeit nie wirklich verletzt, wenn man die bei einem Radsturz zugezogene Tossy mal außer Acht lässt. Und ich musste mich nur vereinzelt zu Laufeinheiten zwingen, denn kein Trainingsprogramm sagt mir, dass ich heute auf die Strecke muss. Das habe ich von Beginn an bis heute so beibehalten:

Ich ziehe meine Laufschuhe an, trete vor die Tür und los gehts!

Während meiner Coaching-Ausbildung lernte ich: Wenn Du weißt, was Du tust, kannst Du machen, was Du willst! Dies ist mein Leitsatz geworden, gerade für mein intensives Hobby. Natürlich laufe ich nicht völlig planlos; ich weiß, was mir schadet und was mir gut tut, was mich vorwärts bringt und was eben auch nicht. Daran halte ich mich, immer unter der Prämisse, dass ich das, was ich gerade mache, mit Leidenschaft unternehme. Das ist mein Geheimnis. Und damit konnte ich sogar - und wider Erwarten - Erfolge einheimsen.

Ich habe Distanzen von mehr als 100 Meilen zurückgelegt, den UTMB, den Rennsteig nonstop oder gar nonstop-solo. Ich hab Podiumsplatzierungen geschafft, in der Altersklasse beim Churfranken-Trail oder am Keufelskopf und auch im Gesamtklassement, z.B.:


Die mehr als 74 km in Weißenstadt haben mich sogar in die Top100 der Weltrangliste katapultiert. Doch das sind eher Randgeschichten. Denn es sind Erfolge, die weitestgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit passieren, die also nur das eigene Ego streicheln. Und da muss eben jeder für sich selbst entscheiden, was ihm schmeichelt oder nicht.
Impressionen aus 40000 km Lauferlebnissen
Zahlen - Daten - Fakten
2258 Laufeinheiten waren für mich erforderlich, um die 40070 km, die die Strecke einmal am Äquator entlang um die Erde bedeuten, zurückzulegen. Damit ist eine Etappe im Durchschnitt 17,75 km lang gewesen. Wobei die längsten Einheiten von mehr als 160 km umgerechnet fast 10 Etappen am Stück ausmachen. Ich habe versucht, genau nachzuzählen und bin auf 45 Paar verschlissene Laufschuhe gekommen. Einige waren schnell hinüber, andere haben extrem lange gehalten. Mit einem Schuh von Brooks bin ich früher mehr als 1300 km gerannt, das schaffen die heutigen Modelle meistens nicht mehr, wobei ich auch jetzt noch eher langlebige und stabilere Schuhe mag; mein Tempo verlangt nicht danach, alles was möglich ist auch auszureizen.

Was Jules Vernes Helden in 80 Tagen geschafft haben, das ist mir erst nach 180 Tagen gelungen: Genau 180 Tage, 3 Std. und 48 Min. habe ich benötigt, das sind umgerechnet knapp 6:30 Minuten pro Kilometer, angesichts der dabei zurückgelegten Höhenmeter kein schlechter Schnitt. Die 100 höchsten Gipfel der Welt habe ich symbolisch überquert, jeweils von Meereshöhe aus; 765.173 Höhenmeter stecken mir in den Waden.

Dass ich rund 13,5 Jahre gebraucht habe, um alle Kilometer zu sammeln, hängt damit zusammen, dass ich in der Anfangszeit den Winter ausgelassen habe. Zudem organisierten meine Kinder quasi meinen Trainingsplan. Erst im Laufe der Zeit hat sich ein Ganzjahressport herausgebildet; und je größer die Kinder wurden, desto leichter konnte ich trainieren. 2007 habe ich zum ersten Mal mehr als 3000 km im Jahr gesammelt, steigerte mich auf bis zu 3500 km; mittlerweile laufe ich wieder deutlich weniger, bleibe meist deutlich unter 3000 km.
Meine Wettkampfbilanz bis heute
Ausblick
Noch einmal 40000 km laufen, noch einmal 13 oder 14 Jahre investieren? Ich kann es nicht sagen. Es ist für mich kein Ziel, also ist auch keine Motivation dafür vorhanden. Trotzdem will ich nicht ausschließen, dass ich tatsächlich noch eine Runde drehe. Immerhin wäre ich dann erst Mitte 60 und somit bis dahin durchaus noch in der Lage, die entsprechenden Kilometer zurückzulegen. Allerdings habe ich in diesen 15 Jahren auch knapp 50 Marathons und knapp 100 Ultramarathons absolviert. Und gerade die langen Ultras sind die, die bei mir mächtig auf der Uhr zählen. Ob ich mich noch einmal für 100 Ultras motivieren kann, ist fraglich.

Deshalb werde ich jetzt einfach mal abwarten, wie meine Laufkarriere weiter verläuft. Denn, man weiß ja nie! 2003 hätte ich auch nicht im Traum geahnt, was sich aus einem Marathon einmal entwickeln würde.
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